Kamerun: Germaines Weg aus der Zerbrochenheit
Das Leben ein Scherbenhaufen – so empfand es Germaine nicht nur, sondern ihr ganzes Umfeld hielt es der jungen Frau vor Augen. So sehr, dass sogar ihre Mutter ihr einen unheilvollen Beinamen gab. Doch unter Gottes Gunst kann aus Verzweiflung etwas Neues entstehen. Wie dies im hohen Norden Kameruns geschah, erzählen wir hier nach einem Bericht von Magloire Kadjio.
Germaine wuchs in einem kleinen Dorf im extremen Norden Kameruns auf. Hitze und Trockenheit prägen den Alltag, Familien kämpfen mit Armut und Hunger, weil Ernten ausfallen oder Wasser knapp ist. Gewalt und Konflikte in der Region verschlechtern die Lage. Bereits als kleines Mädchen muss Germaine erleben, wie ihr Leben zerbricht: Als ihr Vater krank wird, verliert er seine Arbeit. Ohne Einkommen können Germaines Eltern nicht für die Bildung ihrer Tochter aufkommen. Die vierte Klasse der Grundschule kann sie nicht abschließen. Für Germaine begann eine Zeit tiefer Verzweiflung. Heute sagt sie selbst: „Hier begann mein Abstieg in die Hölle." Sie zieht mit ihrer Familie in die Stadt Garoua, aber findet nirgends Halt oder Orientierung. Viel zu jung wird sie verheiratet und erlebt, wie diese Ehe scheitert. Germaine sucht Unterstützung bei ihren Verwandten und möchte sich verzweifelt ein neues Leben aufbauen. Doch dies gelingt nicht. Inmitten dieser Hoffnungslosigkeit gab ihr sogar ihre eigene Mutter einen neuen Namen: „Spamakora“ – zerbrochene Kalebasse.
Zerbochen und wertlos
Eine Kalebasse ist die Schale eines ausgehöhlten, getrockneten Flaschenkürbisses. In Kamerun und anderen Teilen der Welt stellt man daraus Gefäße her. Aber eine zerbrochene Kalebasse ist nutzlos, aussortiert, wertlos. So fühlt sich Germaine.
Vergessen hat man mich, als ob ich bereits tot wäre. Ich komme mir vor wie ein zerbrochenes Gefäß.
Germaine ist mit diesem Schmerz nicht allein. Schon Menschen in der Bibel kannten das Gefühl, dass ihr Leben einem Scherbenhaufen gleicht. David schildert nicht nur in Psalm 31, wie er in Verzweiflung versinkt und den Spott und die Verachtung von Freunden und Fremden ertragen muss. Im Buch Ruth begegnet uns Noomi, die ihren Ehemann und ihre Söhne verlor und sich mittellos mit ihren Schwiegertöchtern um Halt und Orientierung bemüht. Auch sie sucht bei ihren Verwandten Unterstützung und möchte sich ein neues Leben aufbauen. In ihrer Zerbrochenheit gibt sie sich selbst den Namen „Mara“ – bitter.
Hoffnung und neue Wege
David und Noomi setzen ihr Vertrauen auf Gott. Sie wissen: Unter Gottes Gunst können sich neue Wege auftun, die für Menschen unmöglich scheinen. David findet im Lob Gottes neue Hoffnung. Für Noomi und ihre Schwiegertochter Ruth öffnet sich durch den entfernten Verwandten Boas die Möglichkeit, wieder eine Familie zu gründen und Erlösung aus der tiefsten Verzweiflung zu erfahren.
Auch bei Germaine sind es Verwandte, die ihrem Leben eine neue Richtung geben. Ihre Cousins erzählen ihr von der Möglichkeit am Centre Technique du Garoua (CTG) eine Ausbildung zu beginnen. Aber bei der jungen Frau ist die Stimme des Zweifels noch laut: Kann sie das schaffen, wo sie doch nur eine abgebrochene Grundschulbildung vorzuweisen hat? Geld für die einjährige Lehre zur Näherin hatte sie auch nicht.
Doch Gott versorgte Germaine: Der Direktor des CTG nahm sie als Stipendiatin auf. Die junge Frau lernte fleißig und voller Freude das Handwerk und konnte im Anschluss sogar noch ein Praktikum anschließen, um ihre Fähigkeiten weiter auszubauen.
Mehr noch: Durch einen Zuschuss des CTG und die finanzielle Unterstützung von Freunden konnte Germaine ihre eigene Schneiderei eröffnen. Sie taufte ihr Geschäft „Confiance pas de Regret“ – Vertrauen, kein Bedauern. Welch ein Name, der das Leben bejaht und das Vertrauen in Gottes Gunst betont.
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.
Gottes Versorgung geht weiter
Heute kann Germaine sich und ihre Kinder versorgen und auch ihre Eltern unterstützen. Aus der „zerbrochenen Kalebasse“ wurde eine selbstbewusste Frau, die inzwischen andere junge Menschen ausbildet. Sie träumt davon, möglichst vielen anderen den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft zu zeigen und ihnen mitzugeben: In Gottes Augen bist du wertvoll – er wird dich versorgen mit allem, was du brauchst.
von Michael Fischbeck nach einem Bericht von Magloire Kadjio, Regionalrepräsentant für das zentrale Afrika
In die Zukunft junger Menschen in Afrika investieren
Kompetenzförderung ist ein wesentlicher Arbeitsbereich von EBM INTERNATIONAL. Im zentralen Afrika unterstützen wir vier große Berufsausbildungszentren. An den Technischen Zentren in Garoua (CTG) und Maroua (CTM) sowie an den Nähschulen Saare Tabitha in Maroua (alle in Kamerun) und Maison Dorcas in Bangui und Sibut (Zentralafrikanische Republik) werden über 600 junge Frauen und Männer ausgebildet.
Frauen wie Germaine und viele andere können durch Eure Spende einen Beruf erlernen und erfahren, dass sie vor Gott und Menschen wertvoll und geliebt sind.
Hier für Berufsausbildung in Afrika spenden!