Zwei Stunden bergauf: Wie Victoria ein Dorf verwandelte
Gemeindegründung unter den Ketschua in Peru
In den Dörfern der Ketschua in den Anden Perus ist die Rolle der Frau klar definiert: Sie kümmert sich um das Haus und die Kinder. Dass eine Frau selbständig eine neue Gemeinde gründet, gehört nicht dazu. Doch mit der Liebe zum Evangelium und zu den Menschen im Herzen macht Victoria sich mitten in der Pandemiezeit auf, um genau das zu tun. Adrián Campero berichtet, wie ihr Dienst ein ganzes Dorf verändert.
In weiten Teilen Lateinamerikas herrscht immer noch der Machismo. Auch unter den Ketschua: Die Frauen kümmern sich um Haus und Kinder, aber die Männer treffen alle Entscheidungen. Respekt und Mitspracherecht sind für viele Frauen keine Selbstverständlichkeit. Zwar gibt es Frauen, die in Unternehmen und auf kommunaler Ebene Verantwortung tragen, aber immer noch werden sie häufig nicht respektiert. Das ändert sich, wo Menschen sich dem christlichen Glauben zuwenden. Mehr noch: Frauen sind bedeutende Verkündigerinnen des Evangeliums und wesentlich an Gemeindegründungen beteiligt. Victoria ist eine dieser Missionarinnen.
Berührt von der Perspektivlosigkeit
Eigentlich stammt Victoria aus Andahuaylas, einer Stadt im Andenhochland westlich von Cusco. Ihr Ehemann ist Lehrer. Als er in den Distrikt Mariscal Gamarra versetzt wurde, fanden beide zum Glauben und ließen sich taufen. Durch die Arbeit von Victorias Mann an der Schule im Ort Llauqui und Freundschaften, die sie dort schlossen, lernten sie die Herausforderungen des kleinen Dorfes kennen. Wie in vielen Siedlungen der Ketschua sind diese groß: Armut und Perspektivlosigkeit treiben Menschen in den Alkohol. Gewalt folgt – in der Familie und in der Öffentlichkeit. Victoria war von den Lebensumständen in Llauqui berührt und verspürte den tiefen Wunsch, die Menschen mit Gottes verändernder Liebe bekannt zu machen.
Gemeindegründung in der Pandemie
Der Zeitpunkt für Victorias missionarische Aktivität schien denkbar ungünstig. Im Jahr 2020, mitten in den Unsicherheiten der Corona-Pandemie, wollte die heute 48-Jährige die Gute Nachricht nach Llauqui bringen. Adrián Campero, Leiter der EBMI-Ketschua-Mission, riet ihr zur Vorsicht. Doch Victoria ließ sich nicht davon abbringen: „Bruder Adrián, der Tod ist in unser Dorf gekommen. In Llauqui gibt es Menschen, die ich kenne und die Jesus brauchen. Ich werde dorthin gehen, um ihnen vom Evangelium zu erzählen.“ Also machte sich Victoria auf den Weg, zwei Stunden zu Fuß und bergauf, um den Menschen von Jesus zu erzählen. Zwei Wochen später hatten sich bereits 20 Menschen bekehrt. Mitten in der Pandemie entstand eine neue Gemeinde.
Transformation in Llauqui
Mit Victorias Engagement für die Menschen in Llauqui begann eine umfassende Veränderung. Frauen, Männer und Kinder fanden zum Glauben und ließen sich taufen. Von den etwas mehr als 100 Einwohnern des Dorfes sind mittlerweile 70 getauft. Etwa 80 bis 90 Menschen kommen zu den Gottesdiensten. Diese finden derzeit auf dem Grundstück eines Mannes statt – früher galt er als der gewalttätigste Bewohner Llauquis. Durch Gottes Liebe hat er sich verändert und ist gerne Gastgeber, solange die junge Gemeinde noch kein eigenes Gebäude hat. Nicht nur er hat sich verändert. Die Gewalt in den Familien und der Alkoholismus sind stark zurückgegangen. Die Menschen freuen sich über diese neue Sicherheit und kümmern sich mehr umeinander, insbesondere um Alte und Kranke. Victoria ist hoch angesehen und steht der Gemeinde vor. Das verändert auch die allgemeine Einstellung Frauen gegenüber: Weniger Machismo, mehr Respekt und Anerkennung.
Mehr Missionarinnen, mehr Gemeinden
Unter den Ketschua-Gemeinden ist der Wunsch groß, mehr von ihrem Volk mit dem Evangelium zu erreichen. Schon jetzt ist die Gemeinde in Llauqui dabei, weitere Missionsarbeiten zu unterstützen. Victoria ist in der Region nicht die einzige Missionarin. Die dreifache Mutter koordiniert in Mariscal Gamarra ein Team von Missionaren. In etlichen Orten bringen Frauen die Gute Nachricht zu den Menschen. Das Ziel ist, weiterhin in Jüngerschaft zu investieren, Leiterinnen und Leiter auszubilden, die dann wiederum Gemeinden gründen. Deswegen werden am Ketschua-Bibelseminar Frauen und Männer ausgebildet. Gleichzeitig stärkt der Baptistenbund der Ketschua in Peru Frauen in Leiterschaft.
Missionarinnen wie Victoria ebnen dieser Perspektive den Weg: Mit ihrer Begabung und ihrer Leidenschaft ist sie ein Vorbild für andere und zeigt, wie wichtig Frauen in der Verkündigung des Evangeliums und der Gemeindegründung sind - und dadurch ganze Dörfer mit der verändernden Liebe Gottes in Berührung bringen.
Nach einem Bericht von Adrián Campero, Leiter der EBMI-Missionsarbeit unter den Ketschua in Peru.
Dieser Beitrag erschien zuerst im EBMI-Magazin 1/2026
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