Geschichten vom Missionsfeld

September 2026

Indien: Hilfe, als das Meer verstummte

Eine Fischerfamilie kämpft für ihre Lebensgrundlage

Zwei Jahre lang kehrten die Boote von Raghu Dasu leer zurück. Chemieabfälle hatten das Meer vor Andhra Pradesh, seiner Heimat, vergiftet. Doch die Familie hört nicht auf zu kämpfen und zu beten. Unterstützung bekam sie auch von “Jesus Loves Ministries”, einem christlichen Hilfswerk, das schon viele Jahre mit EBM INTERNATIONAL zusammenarbeitet.

Wenn die Sonne über dem Golf von Bengalen aufgeht, ist Raghu Dasu längst auf See. Seit er ein junger Mann war, ist das Meer sein Zuhause, sein Arbeitsplatz und seine Existenzgrundlage. Zusammen mit seinen zwei Brüdern, seiner Schwester ihren erwachsenen Kindern gehört der 48-Jährige zu einer der vielen großen Fischerfamilien, die seit Generationen vom Meer leben.

Dabei ist jeder Fischzug eine Investition, die Mut, Glauben und Durchhaltevermögen verlangt: Zwei bis drei Tage dauert eine Fangfahrt. Zwei Boote, ein bis zu einem Kilometer langes Netz, Diesel für die Motoren, Proviant für etwa 30 Menschen an Bord und Eis zur Kühlung des Fangs – der Einsatz ist hoch. Vor einigen Jahren lohnte sich dies alles noch. Die Familien konnten ihre Kinder zur Schule schicken und ihre Häuser an der Küste immer wieder aufbauen, wenn ein Sturm sie zerstörte. Auch Raghu Dasus drei Söhne blickten gut gerüstet in die Zukunft: Die zwei älteren hatten Betriebswirtschaftslehre und Geschichte studiert, der jüngste war bereit für sein Studium an der Universität.

Wenn das Meer zur Wüste wird

Dann, vor rund zwei Jahren, wurde das Meer still. Industrieanlagen in der Region begannen, ihre Abwässer direkt ins Meer zu leiten. Fischschwärme blieben aus, tote Tiere trieben aufgedunsen an der Oberfläche. „Das Meer war einst wie eine Mutter für uns – jetzt kehren wir mit leeren Händen zurück“, beschreibt es Pastor Samarpana Kumar, der das Hilfswerk Jesus Loves Ministries leitet und die Fischerfamilien der Region seit Jahren begleitet.

Für Familien wie die von Raghu Dasu bedeutete diese Umweltkatastrophe fast den Ruin. Jede Ausfahrt ohne Fang bedeutete keinen Ertrag, während Diesel und die Verpflegung der Besatzung längst bezahlt waren. Um überhaupt weiter fischen zu können, nahmen viele Familien Kredite zu hohen Zinsen auf. Manche zogen weiter – nach Odisha, nach Maharashtra, bis nach Goa – auf der Suche nach Fischgründen, die noch etwas hergaben. Wenn die Boote dann leer zurückkamen, blieb nur der wachsende Schuldenberg. Auf die Frage, was aus seinen Söhnen werden sollte, antwortet Raghu Dasu nur knapp:

Obwohl meine Söhne studiert haben, hat der Hunger sie alle dazu gebracht, täglich zum Fischfang auszufahren.

So festgefahren und hoffnungslos erleben es viele in der Fischergemeinschaft. Studieren, einen gutbezahlten Beruf erlernen, der Abhängigkeit und der Gefahr des Meeres entkommen – das war die Hoffnung von so vielen. Am Ende sitzen sie doch wieder im Boot und hoffen, dass es bald etwas zu essen gibt.

Beten, protestieren – und vertrauen

Gemeinsam mit der Fischergemeinschaft ging Pastor Samarpana Kumar auf die Straße, um gegen die Verschmutzung des Meeres zu protestieren. Die Gemeinde betete auf den Booten um Heilung für das Wasser, das ihnen so viel bedeutet. Eine Zusage der Landesregierung, das Problem zu lösen, blieb ohne sichtbare Wirkung. Für Raghu Dasus Familie bedeutete das: warten, hoffen und einen Weg finden, die Zeit ohne Einkommen zu überstehen.

Schon lange ist Jesus Loves Ministries hier aktiv: Helfen, wenn das Einkommen nicht ausreicht, wenn Stürme oder Überschwemmungen die Lebensgrundlage zerstören. Kinder aus Fischerfamilien können in einem Kinderheim versorgt werden und erhalten dort eine Schulbildung. Andere Mädchen und Jungen werden in Nachhilfeprogrammen gefördert. Frauen können ein zusätzliches Handwerk erlernen, um ihre Familien zu ernähren. Fischerfamilien erhalten Hilfe dabei, ihre kaputten Netze zu reparieren.

Hoffnung und neue Perspektiven

Als die Boote der Familie von Raghu Dasu zum ersten Mal wieder Fisch an Bord brachten, war das für alle ein kleines Wunder. Ganz geheilt ist das Meer noch nicht – die Fangerträge bleiben unsicher und niemand weiß, wie lange sich die Familien allein vom Fischfang noch tragen können.

Deswegen sollen langfristig noch weitere Ausbildungsangebote entstehen, die jungen wie älteren Menschen aus der Fischergemeinschaft neue berufliche Wege eröffnen. Denn obwohl das verstummte Meer sich wieder mit Leben füllt und es mehr und mehr Familien ernährt, bleibt die Perspektive unsicher. Raghu Dasu und seine Familie haben erfahren: Gott versorgt sie, auch wenn das Meer es nicht tut. Und er trägt sie durch alle Herausforderungen.

Erntedank-Kampagne: Lebendiges Wasser und Brot des Lebens

Wo sauberes Trinkwasser und eine verlässliche Versorgung mit Trinkwasser fehlen, braucht es Menschen wie Samarpana Kumar und Initiativen wie Jesus Loves Ministries: Sie schenken Hoffnung, beten, kämpfen und bieten praktische Hilfe an. In Indien unterstützt EBM INTERNATIONAL an verschiedenen Orten Nahrungsmittelverteilungen wie die Milch-und-Ei-Programme oder die Armenspeisungen der Heilsarmee. Landwirtschaftliche Schulungen sorgen für bessere Ernten und sichern so die Versorgung mit Lebensmitteln.

Zu Erntedank laden wir dazu ein, solche Projekte weltweit fördern. Eure Spende hilft dabei, Lebensgrundlagen zu schaffen und Menschen zum Glauben an Jesus Christus einzuladen – das lebendige Wasser und das Brot des Lebens.

Jetzt zu Erntedank spenden